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Region: Rheingau

Der Rheingau hat in den letzten Jahren eine oenologisch-kulinarische Kultur entwickelt, die immer wieder überrascht. Die zu den kleineren Weinanbaugebieten Deutschlands gehörende Region hat nicht nur konsequent die Qualitäten der Weine bis in die Spitzen getrieben, insbesondere bei den edelsüssen Erzeugnissen, sondern es wird auch gleichzeitig durch geschickte Marketingmassnahmen und in konzertierten Aktionen vieler Winzer und Weingüter für Aufmerksamkeit und Absatz gesorgt. Bereits im Frühjahr startet die ?Rheingauer Schlemmerwoche?. Danach führt der Kulinarische Jahreskalender das ?Rheingau Gourmet Festival? auf, dass sich aus den bereits etablierten Erfolgen des ?Rheingau Musik Festival? entwickelt hat. Die ?Glorreichen Tage? im November bilden den Abschluss dieser, meist bis auf den letzten Platz, ausverkauften Veranstaltungen.

Bei allen Aktivitäten ist immer der Rheingauer Riesling, die treibende Kraft. Wenn gleich sich die Winzer auch nicht scheuen, zu diesen kulturellen und kulinarischen Höhepunkten auch Weinmacher mit ihren Erzeugnissen aus der neuen Welt zu direkten Vergleichen einzuladen.

International berühmt sind die Verkostungen und Versteigerungen im Kloster Eberbach. Auf Schloss Vollrads, werden das ganze Jahr über, Veranstaltungen aller Couleur angeboten und durchgeführt. Auch hier spielt der geschmacklich facettenreiche Riesling die tragende verbindende Rolle zwischen Kunst, Kultur und Kulinarik.

Die Weltoffenheit der Rheingauer Winzer wird sicher auch befördert durch den Sitz der Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim und der Weinbauschule in Eltville. Der gute Ruf dieser Institutionen bringt viele junge Winzer aus allen Weinländern der Erde in die Region.
Diese Konzentration von internationalem Weinwissen macht nicht von ungefähr die Rheingauer Winzer zu den bestausgebildeten Weinmachern Deutschlands. Schon 1984 schlossen sich 50 Winzer zur ?Charta? zusammen um gemeinsam dem Rheingauer Riesling mit seiner feinen und ausdrucksstarken Säure wieder zu altem Glanz und Gloria zu verhelfen. Heute ist dieses Bestreben in der Erzeugung sogenannter ?Erster Gewächse? gebündelt. Nicht zuletzt hat man eine unverwechselbare Flasche entwickelt, die Rheingauflöte. Dazu auch noch das passende Glas. Beide sind vor Nachahmung gesetzlich geschützt.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Qualität und Renommee im Rheingau eine lange Tradition haben. Bereits im 12. Jahrhundert zogen Zisterziensermönche aus Burgund hier an den Rhein und gründeten das Kloster Eberbach. Über Jahrhunderte, das grösste und bedeutendste Weingut Mitteleuropas. Hier wurden die Grundlagen für die heutige Prädikatsstufe Kabinett gelegt. Bekannteste Lage ist der Steinberg. Ein nach französischem Vorbild (clos) durch eine Mauer getrennter Weinberg. Bereits 1232 hatte man mit der Anpflanzung der Reben abgeschlossen. Erst im Jahr 1766 ist die Mauer fertig gestellt worden.

Wie in vielen anderen Regionen geht auch im Rheingau der Beginn des Weinbaus auf die Römer zurück. Karl der Grosse sah von seiner Ingelheimer Festung auf die nach Süden zeigenden Weinberge an den Taunushängen und bemerkte, dass diese im Frühjahr immer viel eher vom Schnee befreit waren, als die Hügel auf seiner Ingelheimer Seite. So förderte er den Weinbau auf der rechten Rheinseite ganz besonders und hatte Erfolg damit.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der erste reinsortige Rieslingweinberg angelegt. Und damit kommen wir zu der Erfolgsgeschichte dieser Region. Über 80 Prozent der verfügbaren 3.219 Hektar Anbaufläche sind mit Riesling bestockt.

Spätburgunder wird vor allem im Bereich Assmannshausen auf etwa 400 Hektar, überwiegend in Steillagen, angebaut. Müller-Thurgau Reben stehen auf etwa 70 Hektar. Der durchschnittliche Hektarertrag, gemessen über alle Sorten, bewegt sich um die 90 Hektoliter.

Das Terroir besteht überwiegend aus tiefgründigem, sandhaltigem Löss- und Kiesschotter. Das Taunusgebirge weist dem Rhein zwischen Mainz und Rüdesheim eine andere Richtung. Statt weiter nordwärts zu fliessen, begleitet das mit Fichten und Buchen üppig bewaldete Gebirge den Strom westwärts auf einer Länge von etwa 40 Kilometern. Somit sind die Weinberge südwärts ausgerichtet und werden von Norden her durch die Hügelkette geschützt. Feuchtigkeit und Wärme spendet der hier fast ein Kilometer breite Rhein.

Der Rheingau beginnt weinrechtlich, im Osten am Lohrberg in Frankfurt am Main, schliesst die Weinorte um Hochheim am Main ein, trifft dann bei Wiesbaden auf die eigentliche Region und endet im Westen hinter Lorch. Der Rheingau besitzt nur einen Bereich - Johannisberg. Dazu kommen zehn Grosslagen in 14 Weinorten. Als Einzellagen (Grand Crus) sind Schloss Johannisberg, Schloss Vollrads und der Steinberg vom Kloster Eberbach rechtlich festgehalten und kommen ohne Ortsbezeichnung in den Handel.

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass um 1930 eine Flasche Spätburgunder aus der Lage Assmannshäuser Höllenberg um ein vielfaches teurer war als Weine aus den besten Lagen im Bordeaux. Das lässt für die Zukunft des Rheingaus hoffen.

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