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Region: Baden

Baden gilt als die ausgedehnteste und vielseitigste Weinbauregion Deutschlands. Keine ist so uneinheitlich und zeigt mit ihren Weinen qualitative und geschmackliche Überraschungen. Als drittgrösstes Anbaugebiet zählt dieses südlichste deutsche Weinland mit fast 16000 Hektar heute als einziges zu der Weinbauzone B der Europäischen Union, wie zum Beispiel auch das Elsass, die Champagne und das Loire Tal. Das heisst, es werden die höchsten Mindestanforderungen an den Qualitätsweinbau in der Bundesrepublik Deutschland gestellt.

Fast 500 Kilometer liegen zwischen Wertheim im Norden und der südlichen Begrenzung durch Bodensee und Schweizer Grenze. Die besten klimatischen Ausprägungen sind wesentlich durch den Oberrheingraben bestimmt. Hier liegen die wärmsten Weinbaulagen Deutschlands.

Der oberrheinische Weinbau bestand bereits zu Zeiten der Römer. Schon Kaiser Hadrian fand bereits Weingärten vor, als er die heute noch berühmten Badeorte Badenweiler und Baden-Baden mit ihren Quellen ausbauen liess. Im Dreissigjährigen Krieg ging der Weinbau mit dem Verlust der Rebenkultur zu Ende.

Nach dem zweiten Weltkrieg erkämpfte sich Baden, durch neue Landvermessungen und Bodenreformen sowie den Anbau neuer Rebenzüchtungen wieder einen Spitzenplatz unter den deutschen Weinregionen.

Baden ist das westliche Anbaugebiet des Bundeslandes Baden-Württemberg. Die Bodenbeschaffenheiten sind enorm unterschiedlich. Im Rheintal wechseln sich Kalk- Ton- und Mergelformationen ab. Lössböden und Vulkangestein am Kaiserstuhl, Muschelkalk und Keuper im Taubertal, während die Rebstöcke am Bodensee auf Moränenschotter gedeihen.

Insgesamt werden in neun Anbaugebieten jährlich etwa 1,2 Millionen Hektoliter Wein erzeugt. Davon werden etwa 85 Prozent aller in Baden erzeugten Weine durch mächtige Winzergenossenschaften vermarktet, von denen die Zentralkellerei Badischer Winzergenossenschaften in Breisach als eine der größten und modernsten Kellereien in Europa gilt.

Die neun Anbaugebiete sind von Norden nach Süden in Tauberfranken, Badische Bergstrasse, Kraichgau, Ortenau, Breisgau, Kaiserstuhl, Tuniberg, Mrakgräfler Land und Bodensee untergliedert. Die weingesetzliche Aufgliederung Badens ist bemerkenswert funktionell strukturiert. Nur 16 Grosslagen und 314 Einzellagen machen es leichter sich zurechtzufinden. Im Gegensatz zu der sonst in Deutschlands Weinregionen üblichen ?Kleinstlagenideologien?.

So wird verständlich, dass bei diesen klimatischen und geologischen Unterschieden die Weinstile in den jeweiligen Anbaugebieten sehr individuell ausgeprägt sind.

Der Bereich Tauberfranken umfasst etwa 700 Hektar Weinberge und bildet den badischen Teil des Taubertals. Die Weine werden hier ausschliesslich an Südhängen kultiviert. Überwiegend mit Müller-Thurgau Reben bestockt, werden hier durchaus passable Alltagsweine produziert die, wie im benachbarten Franken, in Bockbeutelflaschen abgefüllt werden.

An der Badischen Bergstrasse dominieren die weissen Burgundersorten. Sie können wegen der vielen Sonnentage gut ausreifen und bringen so fruchtbetonte und finessenreiche Weine hervor. Das Gebiet wird leider bis heute noch vom Verbraucher und von den Weinkritikern unterschätzt.

Südlich der badischen Bergstrasse liegt das Kraichgau. Ein sanftes Hügelland in dem viel Riesling angebaut wird. Aber auch die Sorten Müller-Thurgau, Weiss- und Grauburgunder sind verbreitet. Die Auxerrois-Rebe ist eine Kraichgauer Spezialität und hat von hier aus den Weg, auch in andere deutsche Weinanbaugebiete, gefunden. Eine bemerkenswerte Vielfalt roter Sorten wird auf den insgesamt 1300 Hektar des Kraichgaus angebaut. So sind neben Spätburgunder, Lemberger, Portugieser, Schwarzriesling, Trollinger und Regent sogar neue Cabernet-Sauvignon Anpflanzungen zu finden.

Die Ortenau bietet Riesling und Spätburgunder ideale Bedingungen. Gelegen zwischen Baden-Baden und Lahr durchziehen 2600 Hektar Weinberge, in landschaftlich reizvollen Seitentälern des Rheins, den Schwarzwald.

Der Riesling wird hier auch Klingelberger genannt. Nach dem ersten Ortenauer Weinberg bei Durbach, auf dem er Ende des 18. Jahrhunderts erstmals sortenrein gepflanzt wurde.

Klassisches Spätburgunderland ist der Breisgau. Zwischen Lahr und Freiburg gelegen und etwa 1800 Hektar sonnenreiche Weinberge umfassend. Weitere wichtige Rebsorten sind Grauburgunder (Ruländer) und Müller-Thurgau. Die Weine werden auf kalkhaltigen Böden gezogen und bringen meist frische und fruchtige Weine. Das Glottertal ist die wohl bekannteste Region und zählt bei Kennern und Geniessern zum Besten was der Breisgau zu bieten hat.
Der Kaiserstuhl ist das wohl bekannteste Weinanbaugebiet. Am interessantesten ist seine Südseite. Hier liegt Ihringen mit mehr als 260 Hektar feinsten Weinbergen und somit der grösste Weinbauort Badens. Im wärmsten Klima Deutsch-lands gedeiht zwischen Freiburg und dem Rheintal ein Drittel des badischen Weins. Auf einer Lößschicht wachsen hier Burgundersorten heran, die regelmässig zu den besten Weinen Deutschlands zählen. Neben Müller-Thurgau und werden auch Rieslinge, Muskateller und Silvanerreben mit gutem Erfolg angebaut. Besonders der Müller-Thurgau, meist als Rivaner vermarktet, erreicht am Kaiserstuhl bemerkenswert gute Resultate.

Nachdem der Ruländer in der süsslich-fetten Art keinen mehr überzeugen konnte, wurde hier der Grauburgunder erstmals trocken ausgebaut und im Barrique vergoren. Diese ?Erfindung? war der Beginn einer revolutionären ?Geschmacksveränderung? beim Verbraucher. Heute haben die Winzer eingesehen, dass man den Verbrauchern nicht nur knochentrockene Weine anbieten kann, sondern auch Weine, die mit leichter Restsüsse ausgebaut werden. Vorreiter aller dieser fundamentalen Verbesserungen rund um den Wein ganz allgemein in Deutschland ist Franz Keller gewesen, der mit seinem Weingut und Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen, Generationen von Winzern Weinkultur nahe brachte und vielen Gästen und Genussmenschen den Weg zum Verständnis von Ess- und Trinkkultur zeigte. Durch seine kämpferische Art hat er auch so manchen weinpolitischen Disput für sich entscheiden können. Was letztlich auch immer der gesamten deutschen Weinwirtschaft zu Gute kam.

Erst 1990 wurde der heutige Bereich Tuniberg vom Kaiserstuhl getrennt. Der kleinste Weinanbaubereich Badens. Dicke Lösschichten auf einer Kalksandsteinbank aus der Zeit des Jura bilden die fruchtbare Basis für Spätburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und Weissburgunder. Die Weine werden von Jahr zu Jahr interessanter und finden langsam zu deutlich erkennbarer Charakteristik.

Das Markgräfler Land, die ehemalige Markgrafschaft Baden, beginnt südlich von Freiburg und liegt im alemannischen Dreiländereck. Hier ist der Gutedel (Chasselas) zu Hause, seit über 200 Jahren. Seine feine, fast neutrale Art wird heute von den Markgräfler Winzern auch gern zur Herstellung edelsüsser Weine genutzt. Die Burgundersorten verdienen immer mehr Aufmerksamkeit. Die Fortschritte sind nicht zu übersehen. Einigen weitsichtigen Winzern gelingt es, das durchaus vorhandene Potenzial auch auf die Flasche zu bringen. Ihre regional verhafteten Kollegen, die noch immer vom Weinverkauf an die zahlreichen Touristen leben, werden die positiven Entwicklungen aber auf Dauer nicht aufhalten können.
Die Weinberge am Bodensee bringen fruchtbetonte und leichte Weine hervor. Sie wachsen auf den südlichsten Trassen Deutschlands. Müller-Thurgau und Spätburgunder sind dominat. Neben Silvaner, Kerner, Gutedel und Bacchus werden auch noch einige andere Rebsorten experimentell angebaut. Die sogenannten Seeweine, vom Nordufer des Bodensees, sind die bekanntesten Vertreter dieses Anbaugebiets.

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